August-Tipp 2010
Wüsch’ Dir was, wenn im August wieder viele Sternschnuppen über den Himmel huschen und gelegentlich als Boliden aufblitzen. Partikel des Kometen 109P/Swift-Tuttle stürzen mit Geschwindigkeiten von bis zu 59 km pro Sekunde Richtung Erde, um zum größten Teil in der Erdatmosphäre zu verglühen. Dieses Jahr werden die Perseiden-Meteore unbehelligt zu sehen sein, da kein Mondlicht stört. Am eindrucksvollsten sind sie in der zweiten Nachthälfte des 12. August, wenn der Radiant (ihr scheinbarer Ausstrahlungspunkt) höher steht. Das Erscheinen der Perseiden fällt mit dem Namenstag des Märtyrers Laurentius zusammen, weshalb sie im Volksmund auch Laurentiustränen genannt werden.
Mit mehr als 70 Meteoren pro Stunde kann gerechnet werden. Das Maximum wird am Morgen des 13. August zwischen 1:30 Uhr und 4:00 Uhr erwartet. Doch es gibt immer wieder Überraschungen. Das Zählen von Sternschnuppen macht nicht nur Freude, es hilft auch der Wissenschaftsgemeinde, ihre Berechnungen und Prognosen zu optimieren. Wer mitmachen und seine Zählungen publik machen möchte, findet alle nötigen Infos hierzu unter: www.imo.net

Juli-Tipp 2010
Jupiter verschwand im Februar 2010 hinter der Sonne. Niemand rechnete zu diesem Zeitpunkt mit einem außergewöhnlichen Ereignis. Doch als Jupiter im April am Morgenhimmel sichtbar wurde, zeigten sich dramatische Veränderungen: Eines seiner beiden Äquatorbänder ist verschwunden! Jupiters Erkennungsmerkmal, das sog. South Equatorial Belt (SEB), hat sich komplett aufgelöst.
In unregelmäßigen Abständen oder alle drei bis 15 Jahre kann es zu einem derartigen Phänomen kommen. Dabei wird das braun-rote SEB so hell wie seine Umgebung. Jupiters Wirbelsturm der Große Rote Fleck hebt sich dann besonders gut ab. Üblicherweise sind die Wolkenbänder dunkel und werden durch helle Zonen umgeben, die Jupiter ein gestreiftes Aussehen verleihen. Jupiter rotiert in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich schnell. Seine Winde erreichen Geschwindigkeiten bis zu 600 km/h. Das SEB ist eines der aktivsten Gebiete auf Jupiter, wo es zu starken Wetter-Veränderungen kommt. Wahrscheinlich wird sich nun ein weißer Fleck in der Äquatorzone bilden, wo dunkles Material aufsteigt, das in sog. Ovale zerfällt, wobei sich durch Winde ein neues SEB bildet. Dies sollten sich Teleskopbesitzer nicht entgehen lassen. In nur wenigen Wochen kann das SEB wieder zurück sein!
Weitere Ereignisse:
11. Juli 2010 findet eine Totale Sonnenfinsternis über dem Pazifik statt. Der Finsternispfad überquert auch die Osterinsel.
Komet McNaught C/2009 K5, der Anfang Mai auf eine Helligkeit von 8 Größenklassen geschätzt wurde, könnte sich am 11. Juli zum Finsterniskometen entwickeln. Momentan wandert er aus dem Sternbild Giraffe in den Luchs.

Juni-Tipp 2010
Es ist inzwischen fast überall bekannt: Pluto ist kein Planet mehr. Die Internationale Astronomische Union (IAU) hatte ihn im August 2006 zum Zwergplaneten degradiert. Einer der Hauptgründe war, dass immer mehr Zwergplaneten in unserem Sonnensystem gefunden werden, die kaum kleiner sind als Pluto. Er besitzt übrigens nur 1/6 der Masse unseres Mondes! Doch nicht desto trotz wird er am 25. Juni verhältnismäßig hell, da er dann genau gegenüber von der Sonne steht. Doch er bleibt mit einer Helligkeit von 14 Größenklassen eine Herausforderung für den Teleskop-Beobachter. Schließlich liegt Pluto jenseits von Neptun, dem äußersten Planeten unseres Sonnensystems. Wesentlich leichter ist Ceres zu finden, ebenfalls ein Zwergplanet, der am 16. Juni in Opposition zur Sonne steht. Seine Bahn liegt zwischen denen von Mars und Jupiter. Ceres übertrumpft Plutos Helligkeit bei weitem! Der 7,2 Größenklassen helle Planetoid kann schon mit einem Feldstecher in den Sternbildern Schütze und Schlangenträger aufgefunden werden. Er ist von einem schwachen Stern kaum zu unterscheiden. Dass es sich dennoch um einen Körper unseres Sonnensystems handelt, verrät seine Schleifenbewegung durch den Tierkreis. Eine Foto-Kamera kann hilfreich sein, um die relativen Positionen gegenüber den Fixsternen über mehrere Wochen hinweg festzuhalten. Unter folgendem Link gebe ich ein paar Tipps zur Aufnahmetechnik: *klick*

Mai-Tipp 2010
Im Mai ist es an der Zeit, auch einmal über unser eigenes Planetensystem, ja sogar über unser Milchstraßensystem hinauszublicken. Der Frühling ist bekannt für die gute Sichtbarkeit unzähliger Galaxien. Aber wie kommt es, dass ausgerechnet der Frühlingshimmel so viele Galaxien zu bieten hat? Der Grund ist unsere eigene Galaxis die Milchstraße. Der Staub, der zwischen den Sternen liegt, verhindert den Blick in die Tiefen des Universums. Das „Galaxienfenster“ reicht vom Großen Bären hoch im Norden über die Jagdhunde, das Haar der Berenike und den Löwen bis zum Sternbild Jungfrau tief im Süden. Die imposanten Kandidaten sind: die Whirlpool-Galaxie / M51, das Galaxienpaar M81 und M82, M94 und M63, nicht weit vom bekannten Virgo-Galaxien-Haufen in der Jungfrau. Wer die fernen Welteninseln entdecken möchte, benötigt keine starke Vergrößerung. Ein Feldstecher oder ein kleines Spiegelteleskop reichen meist schon aus. Viel wichtiger sind Lichtstärke, eine dunkle mondlose Nacht auf dem Land, warme Kleidung und ausgeschlafene Augen. Galaxien sind schwach leuchtende Gebilde, meist spiral- oder spindelförmig, aus Milliarden von Sonnen bestehend. Zum erfolgreichen Auffinden ist ein Sternatlas ratsam. Hilfreich ist auch die kostenlose Planetariumssoftware „Stellarium“.

April-Tipp 2010
An Ostersonntag kommt es zu einer engen Begegnung (3°) von Merkur und Venus. Kurz nach Sonnenuntergang stehen beide am 4. April tief im Westen. Da sich Merkur in unseren Breiten nur selten zeigt, sollten Sie die Gelegenheit bei klarem Himmel nutzen. Die hellere Venus kann als Aufsuchhilfe dienen. Besonders attraktiv wird die Begegnung am 15. April, wenn der erst 30 Stunden alte Sichelmond (!) neben Merkur auftaucht. Mit dem Fernglas ist die Konjunktion am besten zu genießen. Für Teleskopbesitzer: Wer den innersten Planeten Merkur ins Visier nimmt, hat gute Chancen auf die Sichtung seiner Phasengestalten. Am 8. April, wenn er seinen größten Abstand zur Sonne erreicht hat, wird er genau zur Hälfte beschienen; und vielleicht erkennen Sie sogar die helleren und dunkleren Gebiete des kraterübersäten Planeten.

März-Tipp 2010
Am 28. März werden die Uhren von MEZ auf MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit) umgestellt, wobei die Sonne bereits am Abend des 20. März den Frühlingspunkt in den Fischen überschreitet; dann ist der astronomische Frühlingsanfang exakt. Wenn die Sonne hinter dem Westhorizont verschwindet, geht Saturn am Osthorizont auf. Denn am 22. gelangt er in Opposition zur Sonne. Das heißt: Er steht um Mitternacht hoch im Süden und geht bei Sonnenaufgang wieder unter. Außerdem erreicht er seinen geringsten Abstand zur Erde. Bereits in einem kleinen Teleskop zeigen sich die hellen Saturnringe und seine Monde, die ihn wie kleine Perlen umkreisen. Der größte und hellste unter ihnen ist Titan. Auffällig ist auch, dass Saturn an den Polen abgeplattet ist, eine Folge seiner Rotation. Das Licht von Saturn braucht übrigens etwas mehr als eine Stunde, bis es bei uns auf der Erde ankommt.

Die Planeten im Februar 2010
Mond im letzten Viertel am 6.2. um 00:50 Uhr, Neumond am 14.2. um 3:52 Uhr, Mond im ersten Viertel am 22.2. um 1:43 Uhr, Vollmond am 28.2. um 17:39 Uhr.
Merkur ist zu Beginn des Monats tief im Südosten am Morgenhimmel zu finden. Kurz vor der Sonne geht er auf.
Venus steht hinter der Sonne und ist daher nicht zu sehen.
Mars ist der Star des Nachthimmels. Denn mit -1,2 Größenklassen und seiner rötlichen Farbe ist er das auffälligste planetare Objekt. Am 4. Februar steht er in geringster Entfernung zur Praesepe, dem offenen Sternhaufen im Krebs. Im Teleskop sind außerdem zahlreiche Details auf dem Roten Planeten zu entdecken: Der eisige Nordpol, seine ockerfarbenen Wüsten, Hochebenen, Canyons und Vulkane.
Jupiter steht im Steinbock und geht schon zu Beginn der Nacht im Westen unter.
Saturn zieht in einem hohen Bogen über den Himmel. Am westlichen Rand des Sternbilds Jungfrau ist der Ringplanet deutlich zu sehen. Im Teleskop zeigen sich außerdem seine zahlreichen Monde. Der größte unter ihnen ist Titan.
Tipp des Monats
Haben Sie schon mal eine Begegnung mit dem Brockengespenst gehabt?
Der Winter bietet beste Chancen hierzu. Wenn das Licht der Sonne oder des Mondes auf eine Nebelbank fällt, entsteht im Unterschied zu einem Regenbogen eine sog. Glorie. Es handelt sich hierbei um eine ringförmige, farbige Leuchterscheinung, die genau den Schatten Ihres Kopfes umgibt. Die Nebelwand kann man mit einer Kinoleinwand vergleichen, auf der Ihr Schattenbild in mehrfacher Vergrößerung projiziert wird. Durch Wallung des Nebels wird der Schatten gespenstig verändern, ohne dass sie Sich bewegen! Da sich die Glorie um den Gegenpunkt der Sonne oder des Mondes bildet, ist sie fast ausschließlich von erhöhten Standpunkten, wie Bergen oder Flugzeugen, aus beobachtbar. Das Brockengespenst ist ein optischer Effekt, der zuerst auf dem Brocken von Johann Esaias Silberschlag im Jahre 1780 beobachtet und beschrieben wurde. Achten Sie z.B. bei Ihrem nächsten Skiurlaub auf solche Erscheinungen. Es lohnt sich! Der Brocken bietet mit über 300 Nebeltagen im Jahr eine überdurchschnittliche Chance dazu.

Die Planeten im Januar 2010
Mond im letzten Viertel am 7.1. um 11:41 Uhr, Neumond am 15.1. um 8:12 Uhr, Mond im ersten Viertel am 23.1. um 11:54 Uhr, Vollmond am 30.1. um 7:19 Uhr.
Merkur ist im Sternbild Schützen am Morgenhimmel zu entdecken. Er steht am 27. Januar in westlicher Elongation zur Sonne, während er im Osten kurz vor der Sonne aufgeht.
Venus wandert am 11. Januar hinter der Sonne vorbei und ist daher nicht zu sehen.
Mars läuft geschwind auf seine Opposition mit der Sonne zu. Das bedeutet, dass er neben dem Mond das hellste planetare Objekt am Nachthimmel ist (-1,2 Größenklassen). Am 26. Januar erreicht er seine geringste Entfernung zur Erde, während er im Sternbild Krebs dem offenen Sternhaufen der Praesepe begegnet.
Jupiter bewegt sich durch den Steinbock und geht schon kurz nach Einbruch der Nacht unter.
Saturn steht inzwischen im Sternbild Jungfrau und zieht nach Mitternacht in einem hohen Bogen über den Himmel. Mit einer Helligkeit von rund einer Größenklasse ist er ein auffälliger „Stern“. Im Teleskop offenbart er seine wahre Gestalt: Ein heller Ring aus Eis- und Gesteinspartikeln umgibt den Gasriesen.
Tipp des Monats
Der Rote Planet rückt in den Mittelpunkt des Winterhimmels. Nach zwei Jahren und zwei Monaten kommt uns Mars endlich wieder näher. Im Verhältnis zu den Fixsternen ist seine rückläufige Bewegung (von Ost nach West) über mehrere Wochen hinweg gut zu verfolgen. Rückläufig ist er deswegen, weil wir den Mars momentan auf unserer inneren Bahn um die Sonne überholen. Am 26. steht er in Erdenähe und am 29. in Opposition zur Sonne. Außerdem bekommen wir seit über 10 Jahren einen Blick seines eisigen Nordpols geboten, während der Marsfrühling die letzten Wolkenschleier der Nordpolhaube auflöst. Solche Perspektiven ergeben sich nur bei den entfernteren Begegnungen mit der Erde. Also ran ans Teleskop! Volkssternwarten bieten hierfür die optimale Gelegenheit. Wenn kein Planetenumfassender Staubsturm auf Mars tobt, sind außerdem zahlreiche Hell- und Dunkelgebiete (Albedostrukturen) auf dem Roten Planeten zu entdecken: Ockerfarbene Wüsten, Hochebenen, Canyons, Vulkane und manchmal auch Nebel und Frost. Besonders auffällig ist die Große Syrte, ein gebirgiges Hochland aus Basaltgestein. Zum Einstimmen auf die Marsopposition 2010 bietet der aktuellen Kinofilm „Wiederkehr des Mars“ die beste Gelegenheit. Kinotermine entnehmen Sie bitte: www.space-movie.com

Die Planeten im Dezember 2009
Vollmond am 2.12. um 9 Uhr, Mond im letzten Viertel am 9.12. um 1 Uhr, Neumond am 16.12. um 13 Uhr, Mond im ersten Viertel am 24.12. um 19 Uhr, Blue Moon am 31.12. um 20 Uhr.
Merkur schafft es wegen der extrem flachen Lage der Ekliptik nur schwer an den Abendhimmel. Trotz seiner Winkelentfernung zur Sonne von 20° geht er nur wenige Minuten nach ihr unter.
Venus befindet sich in Erdferne, während sie Ihren Weg hinter die Sonne fortsetzt. Sie ist also nicht zu sehen.
Mars kommt der Erde allmählich näher, während seine Helligkeit auf -0,7 Größenklassen ansteigt. Im Teleskop sind bereits einige Details sichtbar. Dazu gehören sog. Albedostrukturen, Landschaftsformen mit unterschiedlichen Helligkeiten. Besonders auffällig dürfte aber seine helle Nord-Polkappe sein. Inzwischen setzt Mars seinen Weg durch den Tierkreis fort, macht allerdings eine Kehrtwende um 180°! Er wird also ein weiteres Mal den Krebs durchqueren! Die Bewegung der Erde ist daran schuld. Sie überholt den langsameren Mars auf ihrer engeren Umlaufbahn um die Sonne. Daher wird Mars rückläufig. Dieser Effekt lässt sich über mehrere Wochen hinweg verfolgen, wenn man sich die Sternpositionen in Relation zum Mars merkt.
Jupiter bewegt sich durch den Steinbock, um Nacht für Nacht früher unterzugehen. Nichts destotrotz ist er neben Sonne und Mond das auffälligste Objekt am Abendhimmel. Immer wieder schön sind seine vier Galileischen Monde, die bereits mit einem gewöhnlichen Feldstecher zu sehen sind. Sie begleiten ihn wie kleine Perlen auf einer Linie.
Saturn steht in der Morgendämmerung bereits hoch im Süden zwischen Löwe und Jungfrau. Sein konstantes Leuchten (0,9 Größenklassen) unterscheidet ihn von einem Stern.
In unmittelbarer Nachbarschaft liegt momentan der viel weiter entfernte Virgo-Galaxienhaufen, dem ungefähr 2000 Milchstraßensysteme angehören.
Tipp des Monats
Zwei Vollmonde im Dezember? Ja, zum Abschluss des Internationalen Astronomiejahres 2009 geht sogar noch mehr! Es finden zwei Plejadenbegegnungen, zwei Sternbedeckungen und eine Mondfinsternis in der Neujahrsnacht statt!
Am 1. Dezember steht der fast volle Mond nach Dämmerungsende neben den Plejaden und zieht in einem hohen Bogen über den Himmel. Gegen Morgen ist dann exakt Vollmond. Am Abend des 21. dem kürzesten Tag im Jahr begegnet der inzwischen wieder zunehmende Sichelmond Jupiter und Neptun. Nun wird’s spektakulär: Erst bedeckt der fast volle Mond in den frühen Abendstunden des 29. die südlichen Ausläufer der Plejaden, und dann sehen wir am Silvesterabend den zweiten Vollmond des Monats (Blue Moon) in partieller Verfinsterung!
Kurz vor 19 Uhr wird der tief stehende Mond am südöstlichen Rand durch den Erdschatten abgedunkelt. Kurz nach Finsternismitte um 20:27 bedeckt der Mond dann auch noch einen Stern mit einer Helligkeit von 7,5 Größenklassen (HD 49201)! Doch damit nicht genug: Ein weiterer Stern mit 6,5 Größenklassen (HD 48805) taucht plötzlich gegen 20:25 am westlichen Mondrand auf! Zeigen Sie die Ereignisse auch Ihren Partygästen. Wann bietet sich schon so eine Gelegenheit am Sylvesterabend?!

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